Selbstfahrend, elektrisch: Jaguar und Waymo schließen strategische Partnerschaft

Jaguar Land Rover und die Google-Tochter Waymo werden im Rahmen einer langfristigen strategischen Partnerschaft zusammenarbeiten. Dies gaben die beiden Unternehmen am gestrigen Dienstag bekannt. Man wolle gemeinsam “das erste elektrisch betriebene Premium-Fahrzeug für Waymos fahrerlose Mobilitätsdienstleistungen entwickeln”, teilten die Briten mit und konkretisierten die Pläne ziemlich ausführlich.

Basis der zukünftigen Partnerschaft ist die Weiterentwicklung des vollelektrischen I-PACE, den Jaguar kürzlich vorgestellt hatte. Erste Fahrzeuge werden noch in diesem Jahr mit Waymos Technik für autonomes Fahren ausgestattet und dann in den Testbetrieb gehen. Anhand der im Straßenverkehr gewonnenen Daten werden die Ingenieure der beiden Unternehmen die Technologie weiter entwickeln.

Bemerkenswert sind die Dimensionen, die Waymo und Jaguar nennen: Schon in den ersten beiden Produktionsjahren sollen bis zu 20.000 I-PACE gebaut werden, die dann im Rahmen des fahrerlosen Waymo-Dienstes zur Verfügung stehen würden. Dies entspräche nach Angaben von von Waymo bei bis zu 50 Fahrten pro Auto pro Tag einem Beförderungspotenzial von bis zu einer Million Fahrten täglich. Geht man von den Verhältnissen in US-amerikanischen oder größeren europäischen Metropolen aus, dann kann man mit circa zehn, vermutlich eher fünfzehn Kilometern pro Fahrt kalkulieren, so dass es jedes dieser Fahrzeuge auf eine Jahresfahrleistung von rund 180.000 bis 270.000 km bringen würde.

“Wir arbeiten mit Leidenschaft daran, intelligente Mobilität voranzutreiben. Dafür benötigen wir langfristige Partner mit entsprechender Expertise. Durch die Entwicklungspartnerschaft mit Waymo werden wir die Grenzen der Technologie weiter verschieben.” Prof. Dr. Ralf Speth, CEO von Jaguar Land Rover

Waymo ist das bisher einzige vieler miteinander konkurrierender Unternehmen, das bereits eine Flotte vollautonomer Fahrzeuge ohne Fahrer im öffentlichen Straßenverkehr betreibt. Noch in diesem Jahr will das aus dem ehemaligen “Google Driverless Car Project” hervorgegangene Unternehmen den ersten autonomen Fahrdienst in Betrieb nehmen – ein fahrerloses Auto könnte dann einfach per Waymo-App geordert werden.

Branchenexperten honorieren, dass Waymos Technologie schon sehr früh auf die Entwicklung vollautonomer Autos ausgerichtet war und konsequent das Ziel verfolgte, eine Software für Fahrzeuge zu entwickeln, die ohne menschlichen Fahrer auskommen. Entwickler des Unternehmens hatten sich wiederholt kritisch zu anderen Projekten geäußert, die einem menschlichen Fahrer in letzter Instanz die Verantwortung übertragen und ihn damit eher überfordern als unterstützen könnten.

Zudem setzte das Unternehmen, ausgestattet mit der Rechenpower des Mutterkonzerns, schon sehr früh auf Simulationen, in denen jede nur erdenkliche Fahrsituation mit unterschiedlichen Parametern “durchgespielt” wird. Bereits Anfang 2016 gab man bekannt, dass man auf diese Weise rund 3 Millionen virtuelle Kilometer täglich absolviere und so das eigene System trainiere. Im vergangenen Jahr gab man bekannt, dass man in die finale Testphase übergehe.

“Dies ist nur der Anfang. Die selbstfahrenden Produkte der Zukunft werden rund um Passagiere und nicht rund um Fahrer konstruiert. Das bedeutet, dass Menschen aus einer breiten Palette von Optionen wählen können, die ihren ganz spezifischen Bedürfnissen entsprechen: ein Auto für die Arbeit während der Fahrt, ein Auto für das Essen mit Freunden, sogar eines für das Nickerchen! Unser ultimatives Ziel lautet: Mit Waymo als Fahrer, zugeschnittene Produkte für jeden Zweck und jede Reise.” Waymo

In regelmäßig publizierten Branchenreports nimmt Waymo schon seit langem eine Spitzenposition ein, mit der Bekanntgabe der Kooperation untermauert man diesen Anspruch zweifellos. Deutlich wird auch: Elektromobilität spielt bei solchen Mobilitätsstrategien eine wichtige Rolle – vor allem dann, wenn es sich um Konzepte für einen vorwiegend innerstädtischen Bedarf handelt.

Jaguar I-PACE

Jaguar wiederum schnappt sich mit Google nicht nur einen überaus wichtigen Prestige-Kunden, sondern – nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen – tatsächlich einen Technologiepartner. Das Betreiben einer Mobilitätsplattform ist mit hohen Investitionen verbunden, deren Sinn oder Unsinn jeder Automobilhersteller sorgfältig abwägen muss. Wenn man eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit einem in diesem Bereich hervorragend aufgestellten Unternehmen eingehen kann, spricht nichts dagegen.

Spannende Zeiten!

via Waymo (medium.com)

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