Joyn ist da: Neuer Streaming-Dienst startet mit 50+ deutschen Sendern

Bereits im Mai berichteten wir darüber, dass sich mit Joyn ein neuer deutscher Streaming-Dienst anschickt, um die Gunst der TV-Zuschauer zu buhlen. Es ist ein schwieriger Markt und bei John, vormals 7TV – glaubt man, eine Patentlösung gefunden zu haben, um ein großes Publikum begeistern zu können.

Heute fiel der Startschuss und Joyn kann zu Beginn direkt mit mehr als 50 Sendern loslegen. Dazu gehören natürlich Livestreams und Mediatheken der ProSiebenSat.1-Gruppe, Angebote von Discovery, darüber hinaus aber auch öffentlich-rechtliche Sender und zahlreiche Sparten-Angebote. Man möchte beweisen, dass man auch mit “Originals” punkten kann und hat sich daher erst einmal exklusiv die dritte Staffel von Jerks gesichtet, jene tatsächlich sehr unterhaltsame Serie mit Christian Ulmen und Fahri Yardim. Weitere drei dieser Originals sind vom Start an dabei, nämlich: “Die Läusemutter”, “Single Diaries” und “Technically Single”.

Später sollen auch noch Maxdome und der Eurosport-Player im Joyn-Angebot aufgehen, aber das ist noch Zukunftsmusik und wird erst später im Jahr realisiert. Generell können wir heute feststellen, dass bei so manchem Feature noch auf die Zukunft verwiesen wird und auf ein kostenpflichtiges Angebot. Ähnlich wie Spotify wird es nämlich sowohl eine kostenlose als auch eine kostenpflichtige Variante geben.

Bei der kostenlosen Nutzung müsst ihr Werbung erdulden und leider auf HD-Inhalte verzichten (Ausnahme: Die Öffentlich-Rechtlichen), außerdem besteht keine Möglichkeit, die Inhalte herunterzuladen und dann offline zu schauen. Maxdome und Eurosport werden Teil des kostenpflichtigen Angebots, dort werdet ihr hochauflösende Serien schauen können und wenn eine Download-Funktion implementiert wird, dann auch ausschließlich in der kostenpflichtigen Version.

Die Originals lassen sich auch — von der kostenlosen ersten Folge — auch nur kostenpflichtig schauen, aber grundsätzlich mache ich da Joyn keinen Vorwurf. Schließlich muss es ja auch deutliche Unterschiede zwischen den Angeboten geben, um Anreize für die Nutzer zu schaffen, Geld zu zahlen. Wie viel Geld das sein wird, wissen wir aktuell noch nicht. Auch da wird es die entsprechenden Infos also erst später geben.

Start geglückt? Eher so mittel

Grundsätzlich gefällt mir die Idee, viele deutschsprachige TV-Inhalte zu bündeln, so dass man aus einer Hand drauf zugreifen kann. Hierbei müssen wir natürlich bedenken, dass die RTL-Sender nicht mit von der Partie sind, die sich bekanntlich beim Konkurrenten TVNow befinden. Dennoch hadere ich ein bisschen mit dem heutigen Start der Plattform, weil mir alles doch ein bisschen zu rudimentär erscheint.

Das Angebot ist noch recht dünn, Beispiel: Joko und Klaas sind mit ihrem “Duell um die Welt” vertreten, allerdings mit nur einer “Staffel”, die zudem hier auch nur aus einer Folge besteht. Andere Serien wie Gotham umfassen lediglich vier Folgen (von denen die älteste morgen aus der Mediathek fliegt). Dafür gibt es aber auch Serien-Folgen, die ihr als Preview schon sehen könnt, bevor sie im linearen TV ausgestrahlt werden.

Möglich, dass man in der kostenpflichtigen Variante dann die kompletten Staffeln bekommt und das auch langfristiger, aber das wissen wir aktuell noch nicht. Joyn will das Fernsehen von Morgen sein und so eine Ansage muss man natürlich auch technisch untermauern. Das haut derzeit noch nicht so wirklich hin.

Joyn soll nämlich sowohl im Browser, als auch in Apps für iOS und Android sowie auf SmartTVs verfügbar sein. Mein Samsung-Fernseher findet jedenfalls noch keine Joyn-App und bei Google Play wird mir angezeigt, dass die Joyn-App, die sich noch in der Beta-Phase befindet, nicht kompatibel ist mit meinem Galaxy S9 Plus. Das finde ich in der Summe dann schon etwas dünn, ehrlich gesagt.

Dabei geht es nicht darum, dass man eine Plattform nach und nach ausbauen und mit Leben füllen möchte. Viel mehr stört es mich, dass man nicht als besonders zukunftsfähige TV-Alternative auftreten kann, wenn die dazugehörigen Apps nicht am Start sind, sich auf dem YouTube-Kanal noch nicht ein einziger Trailer oder sonstiges Video befindet und viele gewohnte Funktionen (Watchlist, Synchronisation zwischen den Endgeräten) noch nicht realisiert wurden. Man hätte also mit einem Paukenschlag loslegen können, indem man dafür sorgt, dass die Apps breit verfügbar sind und im Umfang nicht zu deutlich hinter der Konkurrenz zurückbleiben und indem man vor allem medial ein Feuerwerk entfacht. Aber was letzteres angeht, gibt es einen Tweet bzw. ein Facebook-Posting mit einem “Wir sind jetzt da”-Beitrag, bei Instagram nicht einmal das — dort finden sich noch die vier Wochen alten “Coming Soon”-Bildchen.

Joyn (Beta)

Preis: Kostenlos

Zu hart möchte ich mit Joyn dennoch nicht ins Gericht ziehen. Der Start ist schon bei ganz anderen Plattformen holprig gewesen und die sind später dennoch durchgestartet, außerdem gefällt mir die Idee, möglichst viele deutsche Inhalte zu bündeln. Immerhin möchte Joyn sowas wie das deutsche “Hulu” werden. Ob das klappt, vermag ich nicht zu beurteilen. Zumindest tue ich mich schwer damit mir vorzustellen, dass RTL irgendwann freudig seine Sender zu Joyn umzieht oder dass Netflix und Amazon mit eingebunden werden können.

Was bleibt ist eine erst mal recht rudimentäre TV-Sammlung, selbst wenn man mit über 50 Sendern werben kann, die Teil des Angebots sind. Ich werde mir das aber weiter anschauen und euch gegebenenfalls auch erneut informieren, wenn es Neues von Joyn zu vermelden gibt. Das wird spätestens im Winter sein, wenn das kostenpflichtige Angebot gelauncht wird.

via SmartDroid

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