Dragonfly – Google-Chef bestätigt Suche für China

Aktuell führt das US-Magazin Wired im Rahmen seiner 25-Jahr-Feier einige interessante Interviews. Unter den Gästen befand sich auch der Chef von Google, Sundar Pichai. Er deckt dabei auch sehr unverhohlen Pläne für die Zukunft auf. Google wird seine Suche offenbar doch wieder in China anbieten.

Das Projekt ist bereits seit längerer Zeit bekannt. Der Google Chief Privacy Officer wurde kürzlich vom US-Senat dazu befragt. Dort wollte er nicht näher erläutern, was hinter dem Projekt mit dem Codenamen „Dragonfly“ steht. Frühere Berichte waren hier schon sehr klar – es soll eine neue, zensierte, Suchmaschine für China sein.

Bevor wir näher auf die Aussagen von Sundar Pichai eingehen, blicken wir einmal auf die Ausgangssituation. China ist von zwei großen Mauern umgeben: Einerseits dem Weltkulturerbe im Sinne der Chinesischen Mauer, andererseits von einer großen Firewall. Der chinesische Staat zensiert – komplett offen – was die Bürger sehen dürfen und was nicht. Die Umgehung der Firewall wird immer schwerer. Dazu verbietet der Staat zusehends VPN-Apps, auch der freie Zugang zu Informationen wird durch das Verbot ausländischer Magazine ständig weiter reduziert.

Apple bietet seine Services größtenteils auch in China an, muss dort aber den klaren Anforderungen der Regierung nachkommen. So werden immer wieder komplette Kategorien von Anwendungen aus dem Store entfernt, Anfang des Jahres musste Apple auch die Daten der chinesischen iCloud-Kunden nach China transferieren. Dort werden sie jetzt von einem lokalen Anbieter gehostet – und der Staat erhält im Zweifel Zugriff darauf.

Google hat sich hier – bisher – für einen anderen Weg entschieden. Die meisten Services werden in China nicht angeboten, vom Google Play Store bis hin zur Suche eben. So oder so können und wollen es sich viele Konzerne weiterhin nicht leisten, ihre Angebote nicht nach China zu bringen. In der Volksrepublik leben über eine Milliarde Menschen – ein enormer Markt, der hier erschlossen werden kann.

Lange war unklar, ob Google tatsächlich eine Rückkehr nach China plant – jetzt äußert sich der CEO der Suche aber offiziell dazu. So nahm er im Gespräch ganz konkret Stellung zu diesem Thema und gibt sogar an, dass die Entwicklung sehr gut läuft.

“Es stellt sich heraus, dass wir weit über 99 Prozent der Anfragen beantworten können”, sagte er auf der Bühne. Dabei verteidigt er den Rückzug vom Rückzug und erklärt, dass der Konzern dazu “durch seine Mission gezwungen ist, allen Informationen zur Verfügung zu stellen”, aber auch die Gesetze in jedem Land befolgen muss.

Pichai sagte, dass es viele Bereiche gibt, in denen Google “Informationen besser bereitstellen könnte als das, was den Menschen in China zur Verfügung steht”. So soll seine Suchmaschine zuverlässig Informationen gegen Krebsbehandlung liefern im Gegensatz zu diversen Fake-Seiten, die den Kunden betrügen wollen. Eine bekannte Masche: Google ist der Held im Kampf gegen Fake News – anders als von Trump behauptet.

“Wir wollten wissen, wie es aussehen würde, wenn wir in China wären, also haben wir das intern gebaut”, sagte er. “Angesichts der Bedeutung des Marktes und der Anzahl der Nutzer fühlen wir uns verpflichtet, über dieses Problem nachzudenken und eine längerfristige Perspektive zu wählen.”

Die Welt wird Google bei diesem Projekt sehr genau beobachten, allen voran die amerikanischen Behörden. Der Zeitpunkt für einen derartigen Schritt könnte schlechter nicht sein. Aktuell verlangen viele Behörden Transparenz von Google – eine Transparenz, die bei einer zensierten Suchmaschine so per Definition schon nicht geboten werden kann. Zuletzt war der Konzern, dessen Suche aktuell Jubiläum feiert, vor allem durch ein Datenleck in den Medien. Interne Quellen gehen davon aus, dass das Angebot in sechs bis neun Monaten starten soll.

Trotz allem entwickelt der Konzern auch seine Suche immer weiter und erweitert sie mit KI. Dieses Thema haben wir auch bei Mobile Geeks Fernweh schon besprochen.

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