Audi A4 2020: Das Infotainmentsystem im Test

Das neue Infotainmentsystem des Audi A4 weiß zu beeindrucken. Die Benutzeroberfläche reagiert schnell, verfügt über ein ansprechendes Design und ermöglicht eine umfangreiche Steuerung des Fahrzeugs. Das System ist identisch mit dem des Audi A8 2019 und findet langsam aber sicher seinen Weg in neue Fahrzeugmodelle.

Das Herzstück des Infotainmentsystems ist das 10,1 Zoll große Touchdisplay – beim Vorgänger lag die Bildschirmdiagonale noch bei 8,3 Zoll. Das Display arbeitet mit dem Virtual Cockpit zusammen, welches denselben Luxus bietet wie man ihn auch von der Konkurrenz gewohnt ist. Das Display wirkt groß, aber nicht unbedingt futuristisch. Es befindet sich direkt über den Lüftungsschlitzen, wurde jedoch nicht direkt in das Armaturenbrett integriert. Ein zusätzliches Touchdisplay, das die herkömmlichen Tasten zur Steuerung der Klimaanlage ersetzt, gibt es im Audi A4 übrigens nicht – das Klimabedienteil ist wie gewohnt in das Armaturenbrett mit Karbonoptik integriert.

Der Bildschirm wurde bewusst in der Mitte des Fahrzeugs platziert, schließlich ist der Audi A4 deutlich kleiner als der A7 und A8, in denen MMI bereits im Einsatz ist. Das ist auch der Grund für das fehlende zweite Display. Meiner Meinung nach wurde MMI für die Verwendung mit mehreren Bildschirmen konzipiert, auf dem einzelnen Touchscreen des Audi A4 wirkt deshalb alles etwas kompakter und strukturierter. An die Bedienung gewöhnt man sich relativ schnell; aber weil ich bereits andere Infotainmentsysteme von Audi getestet habe, stellt sich mir die folgende Frage:

Wie konnte Audi nur auf den Drehknopf verzichten?

Im Vorgängermodell gab es zwar keinen Touchscreen, dafür aber einen Drehknopf, der direkt neben der Gangschaltung abgebracht war. So ließ sich das Infotainmentsystem ganz einfach bedienen, ohne dass man auf das Display blicken musste. Denn nach kurzer Eingewöhnungszeit wusste man genau, wo sich die einzelnen Funktionen des Systems befinden.

Hier seht ihr den Audi A4 2019 mit Drehknopf Dort, wo beim Vorgänger der Drehknopf angebracht war, befindet sich nun ein Staufach.

Im diesjährigen Modell ist der Touchscreen das zentrale Bedienelement. Auch hier besteht unter Umständen die Möglichkeit, das System ohne Blickkontakt zu bedienen. Wir wissen, dass man den Touchscreen nicht während der Fahrt nutzen sollte, nur bin ich nicht davon überzeugt, dass die Sprachbefehle eine ausreichende Alternative darstellen. Das mag ein wenig hart klingen, aber das war bisher bei allen Autos der Fall, die ich getestet habe. Derzeit bietet kein Hersteller eine intuitive Sprachsteuerung an.

Was ich unpraktisch finde, ist, dass ich den Arm heben muss, um das System zu bedienen. Bei vielen anderen Infotainmentsystemen ist das normal, der Drehknopf des Vorgängers war jedoch eine deutlich angenehmere und intuitivere Bedienmöglichkeit – schließlich befindet sich meine rechte Hand meistens in der Nähe des Ganghebels.

Bedienfreundlichkeit ist ein entscheidender Faktor

Trotz dieser Schwächen bietet MMI ein solides Nutzererlebnis. Symbole lassen sich per Drag & Drop verschieben und dank dezentem Klickgeräusch und haptischem Feedback wisst ihr sofort, ob ihr ein Symbol berührt habt. In unserem Test sorgten das akustische und taktile Feedback für weniger Ablenkung beim Fahren – Audi bietet jedoch die Möglichkeit, beide Funktionen zu deaktivieren. Die meisten Menüs enthalten praktischerweise nur wenige Menüpunkte. Um den Fahrmodus zu ändern, sind beispielswiese nur drei Berührungen notwendig – zuerst müsst ihr das Menü „Auto“, dann „Audi Drive Select“ und anschließend den gewünschten Modus auswählen.
Die Software reagiert in der Regel sofort auf Eingaben, nur beim Start konnten wir eine spürbare (jedoch akzeptable) Verzögerung feststellen. Die Verzögerung ist deutlich kürzer als bei manchen Konkurrenten wie beispielsweise Jaguar, wo der Ladevorgang merklich länger dauert.

Die Bedienung ähnelt der eines Smartphones, nicht zuletzt weil sich auf dem Display mit der Zeit eine Menge an Fingerabdrücken ansammeln. Diese lassen sich zum Glück sehr leicht wegwischen. Wer einen blitzblanken Bildschirm möchte, sollte am besten ein Mikrofasertuch im Handschuhfach verstauen.

Das Display liefert lebendige Farben und eine ausgezeichnete Auflösung, die vor allem durch den leistungsstarken Nvidia-Grafikprozessor ermöglicht wird. Dank Unterstützung für Google Earth und Google Street View lassen sich Reiseziele im Handumdrehen finden, das ist vor allem in größeren Städten hilfreich.

Konnektivität, Navigation & Sprachsteuerung im Test

In Sachen Konnektivität schlägt sich der Audi A4 hervorragend. Das Smartphone lässt sich im Handumdrehen per Bluetooth oder USB-Kabel mit dem Fahrzeug verbinden. Praktisch ist auch, dass der A4 mehrere Bluetooth-Geräte gleichzeitig unterstützt.

Navigation

Das GPS-System funktionierte in unserem Test tadellos und lieferte präzise Wegbeschreibungen. Bei vielen günstigeren Autos ist die GPS-Ortung häufig nicht gut genug, was schnell dazu führen kann, dass man die nächste Abfahrt verpasst.
Adressen manuell einzugeben kann mühsam sein. Das Ziel per Sprachbefehl einzugeben ist praktisch, solange die Adresse vom System richtig erkannt wird. Nächsten Monat werden wir die Audi-App genauer unter die Lupe nehmen und mit der Konkurrenz vergleichen. Eine tolle Funktion ist auch das Synchronisierungsfeature für den Kalender, mit dem sich Adressen automatisch an das Fahrzeug übermitteln lassen. Wie bereits oben erwähnt, ist es nicht unbedingt bequem, Adressen von Hand einzugeben – nicht zuletzt wegen der Platzierung des Displays. Ohne leistungsstarke Sprachsteuerung bleibt einem jedoch keine andere Wahl.

Sprachsteuerung

Für unser Video haben wir den Sprachassistenten auf Deutsch getestet, in einem weiteren Testfahrzeug dann auch in Englisch. Möglicherweise muss das System zuerst für die eigene Stimme kalibriert werden, in unserem Test mussten wir jedenfalls manche Fragen öfters stellen.

Es wäre praktisch, wenn der Sprachassistent zusätzliche Fragen stellen würde, um die Suchergebnisse sinnvoller einzugrenzen. Als wir beispielsweise nach einem Restaurant fragten, wurde uns einfach das Nächstliegende vorgeschlagen. Frei nach dem Motto: „Ihr möchtet italienisch essen gehen? Kein Problem, dort drüben findet ihr ein griechisches Restaurant mit tollen Bewertungen auf Google!“. Es wäre toll, wenn Audi mit MMI noch einen Schritt weitergehen würde, um das System noch nützlicher zu machen.

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