Apple und Google: Bitte schmeißt diese frauenfeindliche App aus euren Stores

In Saudi-Arabien ticken die Uhren ein bisschen anders als im westlichen Europa. “Ein bisschen” ist dabei noch die Untertreibung des Jahres, was man gerade dort besonders gut erkennt, wo es um die Geschlechterrollen geht und was Frauen in diesem Teil der Welt nicht dürfen.

Wir kämpfen hierzulande immer noch eine längst nicht annähernd beendete Schlacht um die Gleichberechtigung der Frau, aber in Saudi-Arabien ist es um auch nur sowas ähnliches wie eine Gleichberechtigung dramatisch schlecht bestellt. Alles, was eine Frau machen möchte, muss sie sich zuvor von ihrem Mann oder einem männlichen Angehörigen erlauben lassen — wenn sie reisen möchte, wenn sie arbeiten möchte und mitunter muss sie sich sogar vor ärztlichen Eingriffen vorher grünes Licht beim Mann einholen.

Dem Innenministerium war diese Vorgehensweise anscheinend noch nicht simpel genug, also hat man das National Information Center beauftragt, eine App zu entwickeln, die es Männern noch leichter macht, die Leben von Frauen zu überwachen, sprich: regelrecht zu tracken. Diese App nennt sich Absher und ist sowohl bei Google Play als auch im Apple App Store zu haben.

Wie es heißt, wurde die App bereits elf Millionen Mal heruntergeladen und zumindest bei Google ist die App mit einer Wertung von 4,6 von 5 möglichen Sternen sehr gut bewertet (bei Apple nur 3,8). Wie ihr euch denken könnt, geht es in vielen Rezensionen zur App sowohl bei Google als auch bei Apple weniger um die technischen Möglichkeiten der App, sondern mehr um politische Grabenkämpfe.

Der Unmut vieler westlich orientierter Menschen und nicht zuletzt auch der Menschenrechts-Organisationen wie Human Right Watch kommt dabei nicht von ungefähr. Immerhin ermöglicht die App, dass ein Mann seine Frau nahtlos tracken kann und es ist sogar möglich zu erkennen, wenn eine Frau ihren Pass dazu nutzt, ein Flugzeug zu betreten oder eine Grenze zu einem anderen Land zu überqueren. In dem Fall bekommt der Nutzer der App einen entsprechenden Alarm und kann sogar unterbinden, dass die Frau das Flugzeug betritt bzw. in ein anderes Land reist.

Dass da unten viel zu viele Dinge komplett aus der Spur laufen und mit einer modernen, globalen Welt nicht zu vereinbaren sind, überrascht mich ehrlich gesagt gar nicht mal. Schockierender ist aus meinem Blickwinkel, dass die US-Tech-Riesen Google und Apple eine solche App überhaupt durchwinken und über ihre Stores anbieten.

Genau das ist auch dem US-Senator Ron Wyden ein Dorn im Auge. Deshalb hat er einen offenen Brief an Apple CEO Tim Cook and Google CEO Sundar Pichai adressiert, indem er über diese App informiert, beide Unternehmen kritisiert und klar stellt, dass es für unsere Gesellschaft ein Schlag ins Gesicht ist, wenn diese beiden Konzerne die Verbreitung dieser App fördern.

Diesen Gedanken kann ich mich vollumfänglich anschließen und ich bin gespannt, wie Google und Apple auf die Vorwürfe reagieren. Tim Cook hat eine Überprüfung dieser App bereits angekündigt, aus dem Google-Lager gibt es bislang hingegen noch keine Reaktionen. Da es sich um eine Regierungs-App handelt, die eine Vielzahl tatsächlich nützlicher Funktionen mitbringt, wünsche ich mir gar nicht mal, dass man die Anwendung komplett vom Markt nimmt. Aber sowohl Google als auch Apple sollten dem verantwortlichen National Information Center mitteilen, dass sie gefälligst diese Tracking-Funktionen entfernen — oder andernfalls die Apps eben doch aus den Stores kicken.

Quelle: NPR via heise.de

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